Über Rudi Carrell

Ein Interview mit Rudi

SZ-Magazin: Herr Carrell, im Dezember haben einige Zeitungen Sie fast schon für tot erklärt. Wie geht es Ihnen heute?

Rudi Carrell: Den Umständen entsprechend gut. Danke.

Wie kam Ihre Krankheit an die Öffentlichkeit?

Ich hatte der Bunten ein ehrliches Interview gegeben. Na gut, ich habe versucht, den Krebs etwas herunterzuspielen. »Ich habe zwar eine schwere Krankheit«, habe ich gesagt, »aber ich lebe, habe keine Schmerzen, kann arbeiten.« Und was hat die Bild-Zeitung daraus gemacht? Haarausfall, schwer abgenommen! Ich war stinksauer. Und dann diese schlimmen Fotos: Ich fand die ganze Sache nicht fair – mir gegenüber und Hunderttausenden, die Angst vor einer Krebsvorsorge haben oder selbst vor einer Chemotherapie stehen.

Vor einem Jahr haben die Ärzte bei Ihnen Lungenkrebs festgestellt. Leiden Sie unter Schmerzen?

Nein. Ich habe nie Schmerzen gehabt. Meine Chemotherapie wirkt palliativ, das heißt, die Ärzte haben versucht, mein Leben angenehm zu verlängern. Das ist gelungen, mehr darf und kann ich nicht erwarten. Der Tumor wird allerdings immer größer. Leider.

Haben die Ärzte gesagt, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt?

Nein, aber es ist absehbar. Vor einem Jahr haben sie das Gleiche zwar auch schon gesagt, aber da habe ich gedacht: »Noch einmal Frühling! Noch einmal meine Bäume und Pflanzen blühen sehen!« Und dann verging ein ganzes Jahr. Aber jetzt haben die Ärzte es wieder gesagt. Mit einem noch ernsteren Unterton. Und jetzt glaube ich es Ihnen. Ehrlich gesagt, ich fühle es sogar.

Dass Sie bald sterben werden?
Ja.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Eigentlich nicht. Ich hatte früher immer nur Angst vor dem Sterben, weil ich dachte, es tut bestimmt wahnsinnig weh.

Glauben Sie an ein Leben danach?

Nein. Dann ist es eben aus. Aber mein Leben war aufregend genug.

Sie sind der größte deutsche Showmaster. Mit Sendungen wie »Am laufenden Band« oder »Rudis Tagesshow« haben Sie die deutsche Fernsehunterhaltung revolutioniert. Warum sind Sie eigentlich Showmaster geworden?

Ich wurde in dieses Geschäft hineingeboren: Auch mein Vater war Showmaster. Und meine Mutter hatte einen tollen Humor. Ich habe ihr tagein, tagaus Sketche vorgespielt. Und sie hat mir dabei zugeschaut und selig gelächelt. In der Schule habe ich meine Lehrer parodiert und bunte Abende moderiert.

Rudis Werk

Rudolf Wijbrand Kesselaar war ein niederländischer Showmaster. Nach ersten Erfolgen in den Niederlanden debütierte Carrell 1965 im deutschen Fernsehen. In den folgenden 35 Jahren war er mit zahlreichen selbst entwickelten und adaptierten Formaten einer der erfolgreichsten und prägendsten Köpfe der deutschen Fernsehunterhaltung.
Eine seiner wohl bekanntesten Shows war die "Rudi Carrell Show". Er versuchte sich als Sänger und hat in mehreren Filmen mitgespielt. Er war von 1987-1993 Moderator der Sendung "Herzblatt" und wirkte in vielen anderen sehr populären Produktionen mit. Er war einfach ein Multitalent.

In einem Interview im November 2005 bestätigte der Showmaster gegenüber der Zeitschrift Bunte, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Krank fühle er sich aber trotzdem nicht: „Krank sein heißt Fieber, Schmerzen, Übelkeit“, so Carrell in dem Gespräch. Ihm seien „all diese typischen Krankheitssymptome bisher Gott sei Dank erspart“ geblieben, aber er habe sich nach 51 Jahren mit bis zu drei Packungen Zigaretten pro Tag endlich das Rauchen abgewöhnt.

Bei der Aufzeichnung der letzten Folge 7 Tage, 7 Köpfe wirkte Carrell noch einmal selbst mit. Stumm tritt er auf und gibt noch einmal den Running Gag der Show zum Besten: Er schüttet mit Hilfe eines Seiles ein Glas Wasser über die Hose von Harald Schmidt und verschwindet wortlos. Die Sendung wurde am 31. Dezember 2005, der Silvester-Show und letztmaligen Ausgabe von 7 Tage, 7 Köpfe, ausgestrahlt. In einem Interview scherzte Carrell: „Gags, die wir für ,7 Tage, 7 Köpfe‘ nicht gebrauchen können, hebe ich auf. Und wenn ich in den Himmel komme, werde ich damit etwas nebenbei verdienen.“

Am 2. Februar 2006 freute sich der schwer erkrankte Rudi Carrell sichtlich über die Ehrung für sein Lebenswerk mit der Goldenen Kamera in Berlin. Ihm war seine Krankheit anzusehen, auch seine Stimme klang schwach und heiser. Dennoch konnte er sein Scherzen nicht lassen und sagte: „Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie.“ Und er fügte hinzu: „Mit so einer Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden.“ Es sollte sein letzter Auftritt im Fernsehen sein.

Am 17. März 2006 erschien im Magazin der Süddeutschen Zeitung ein längeres Interview, in dem Rudi Carrell sehr offen über den Tod sprach. Kurz vor seinem Tod saß Rudi Carrell für eine Bronzebüste von Bildhauer Carsten Eggers Modell. Das Kunstwerk wurde noch zu seinen Lebzeiten fertig, steht jetzt auf dem „Rudi Carrellplaats“ im niederländischen Alkmaar.

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