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Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch würdigte den Autor und Heine-Preisträger: „Robert Gernhardt verstand es, den Ernst des Lebens mit ironischer Distanz zu beschreiben. Er kommentierte und interpretierte die Welt in Zeichnungen, Essays und seiner Lyrik. Doch er kommentierte nicht nur Zeitgeschehen und Zeitgenossen mit spitzer Feder, sondern er begleitete auch das eigene Schaffen kritisch. Damit war er nicht nur einer der bedeutendsten Kritiker unserer Zeit, sondern auch sein eigener Kritiker. Ohne ihn wären ‚Pardon’ und ‚Titanic’ nicht zu dem geworden, was sie wurden. Er war Kristallisationspunkt einer speziellen satirisch-politischen Kultur, wie sie wohl nur in Frankfurt und dem dortigen geistig-literarischen Klima möglich ist.“ Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, ergänzte: „Mit dem Tod von Gernhardt ist eine bedeutende literarische Stimme aus Hessen verstummt.“
"Er war einer der klügsten, vielseitigsten und erfindungsreichsten Schriftsteller, Dichter und Maler in Deutschland, wenn nicht in Europa", sagte der Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Titanic", Thomas Gsella. Gernhardt sei ein große Künstler, der "die Komik um viele neue Formen bereichert" habe.
Der Karikaturist Hans Traxler hat sich tief erschüttert über den Tod seines Freundes und Kollegen Robert Gernhardt gezeigt: "Ich habe es als großes Glück empfunden, dass ich sein Zeitgenosse war." Gernhardt hätte ohne Frage Maßstäbe gesetzt und sei eine absolute Autorität in Sachen Humor. Traxler zufolge kannten sich die beiden seit 44 Jahren und wohnten gemeinsam in einem Haus.
"Einer der ganz großen Künstler ist nicht mehr dabei," sagte der Leiter des Museums für Komische Kunst in Frankfurt, Achim Frenz. Gernhardt habe als Karikaturist Generationen beeinflusst.
Robert Gernhardt wird am 13. Dezember 1937 im estnischen Tallinn als Sohn eines Richters geboren. 1945 fällt der Vater als Soldat. Nach Kriegsende flieht die Mutter mit ihren drei Söhnen über Thüringen und Hannover nach Göttingen. Gernhardt studiert Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin.
Er lernt Fritz Weigle kennen, der sich später F. W. Bernstein nennt. Beide entdecken für sich die amerikanischen Blättern wie "Mad" und "Playboy". Und legen los, zeichnen, malen, dichten, texten. Da wird in Frankfurt die Satirezeitschrift "Pardon" gegründet. Gernhardt und Bernstein ziehen nach Frankfurt und arbeiten mit. Gernhardt bleibt als Redakteur zwar nur knapp zwei Jahre, aber schreibt bis 1976 gemeinsam mit Bernstein und F.K. Waechter die Tageszeitungsparodie "Welt im Spiegel" für das Magazin. Bereits ab 1966 arbeitet er als freischaffender Künstler.
1979 gehört er zu den Begründern der Zeitschrift "Titanic" und betreibt "Humor-Kritik". Auch die "Neue Frankfurter Schule" wächst ab 1979 mit auf seinem Mist. Ihr gehören Gernhardt, Bernstein, Waechter, Traxler, Poth, Henscheid an; ohne sie - so ein Jahrzehnt später die Süddeutsche Zeitung 1989 - wäre "die Humorlage der Bundesrepublik wohl eine andere."
Lange wird Gernhardt als "Nonsens-Lyriker" abgetan. Erst Anfang der 80er Jahre gelingt ihm der Durchbruch zum "anerkannten Gegenwartsliteraten", wie er voller Selbstironie bekundet. Dass er im Literaturbetrieb angekommen ist, belegen letztlich auch die unzähligen Preise, mit denen er ausgezeichnet worden ist. Beispielsweise der Deutsche Kinderbuchpreis 1983, zuletzt mit dem "Binding-Kulturpreis 2003" - zusammen mit Eckhard Henscheid, Hans Traxler und F.K. Waechter, mit dem das Lebenswerk der vier Satiriker geehrt wird. 1991 hat er das Stadtschreiberamt von Bergen-Enkheim inne.
Das „Kulturfrühstück“ am Sonntag, 2. Juli, 9.05 Uhr, wird um eineinhalb Stunden bis 11.30 Uhr verlängert. In der Sondersendung wird sich Moderator Manfred Schuchmann mit einem Gesprächsgast über Leben und Werk von Robert Gernhardt unterhalten. Im Anschluss daran stehen ältere und jüngere Gernhardt-Stücke aus dem Hörfunkarchiv auf dem Programm.
Die „Klassik-Matinee“ von 10.05 bis 11.30 Uhr entfällt. Bereits am Samstag, 1. Juli, widmet das hr2-Kulturmagazin „Mikado“ von 6.05 bis 10 Uhr dem bekannten Autor gleich mehrere Beiträge.
Robert Gernhardt war hr2 über mehr als drei Jahrzehnte hinweg eng verbunden. Gemeinsam gestaltet wurden Kabarett-Sendungen, Lesungen, CD-Aufnahmen – darunter die bekannte Weihnachtsgeschichte „Die Falle“ oder der „Tusch für Wilhelm Busch“ – sowie große Veranstaltungen im hr-Sendesaal, zuletzt zu seinem 65. Geburtstag.
Über ...
Robert Gernhardt
Robert Gernhardt, zunächst als Nonsens-Autor von der Kritik verpönt, wurde einer der einflussreichsten Satiriker der Bundesrepublik. Er schaffte, was nicht allen Kollegen seines Faches gelang: Das seriöse Feuilleton nahm ihn ernst, der einfache Mensch auf der Straße nahm ihn wahr. "Deutschlands erfolgreichster lebender Dichter" (Peter Rühmkorf) wurde in den großen Zeitungen des Landes ebenso publiziert wie auf Häuserwänden.
Mit dem Frankfurter Schriftsteller Robert Gernhardt verliert die deutsche Literatur nach den Worten von Bundespräsident Horst Köhler einen ihrer Größten. "Wer sonst in der Gegenwartsliteratur hat es geschafft, alle anzusprechen, zu berühren, ja zu begeistern: von der ernsten Literaturkritik bis hin zu Schülern, die zum ersten Mal Gedichte lesen", heißt es in einem in Berlin veröffentlichten Kondolenzschreiben an Gernhardts Witwe. "Robert Gernhardt hatte ein untrügliches Gespür für Tonlagen und Rhythmen, für sämtliche Ausdruckmöglichkeiten der deutschen Sprache", so Köhler. "Vor allem aber hatte er einen Sinn für den Anspruch gehabt, den Komik stellt und für die Komik, die falsche Ansprüche auslösen." Dass einer der besten deutschen Dichter auch der im umfassendsten Sinne komischste und humorvollste war, das habe ihm mehr als die Anerkennung - es habe ihm die Liebe seiner Leser eingebracht.Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch würdigte den Autor und Heine-Preisträger: „Robert Gernhardt verstand es, den Ernst des Lebens mit ironischer Distanz zu beschreiben. Er kommentierte und interpretierte die Welt in Zeichnungen, Essays und seiner Lyrik. Doch er kommentierte nicht nur Zeitgeschehen und Zeitgenossen mit spitzer Feder, sondern er begleitete auch das eigene Schaffen kritisch. Damit war er nicht nur einer der bedeutendsten Kritiker unserer Zeit, sondern auch sein eigener Kritiker. Ohne ihn wären ‚Pardon’ und ‚Titanic’ nicht zu dem geworden, was sie wurden. Er war Kristallisationspunkt einer speziellen satirisch-politischen Kultur, wie sie wohl nur in Frankfurt und dem dortigen geistig-literarischen Klima möglich ist.“ Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, ergänzte: „Mit dem Tod von Gernhardt ist eine bedeutende literarische Stimme aus Hessen verstummt.“
"Er war einer der klügsten, vielseitigsten und erfindungsreichsten Schriftsteller, Dichter und Maler in Deutschland, wenn nicht in Europa", sagte der Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Titanic", Thomas Gsella. Gernhardt sei ein große Künstler, der "die Komik um viele neue Formen bereichert" habe.
Der Karikaturist Hans Traxler hat sich tief erschüttert über den Tod seines Freundes und Kollegen Robert Gernhardt gezeigt: "Ich habe es als großes Glück empfunden, dass ich sein Zeitgenosse war." Gernhardt hätte ohne Frage Maßstäbe gesetzt und sei eine absolute Autorität in Sachen Humor. Traxler zufolge kannten sich die beiden seit 44 Jahren und wohnten gemeinsam in einem Haus.
"Einer der ganz großen Künstler ist nicht mehr dabei," sagte der Leiter des Museums für Komische Kunst in Frankfurt, Achim Frenz. Gernhardt habe als Karikaturist Generationen beeinflusst.
Robert Gernhardt wird am 13. Dezember 1937 im estnischen Tallinn als Sohn eines Richters geboren. 1945 fällt der Vater als Soldat. Nach Kriegsende flieht die Mutter mit ihren drei Söhnen über Thüringen und Hannover nach Göttingen. Gernhardt studiert Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin.
Er lernt Fritz Weigle kennen, der sich später F. W. Bernstein nennt. Beide entdecken für sich die amerikanischen Blättern wie "Mad" und "Playboy". Und legen los, zeichnen, malen, dichten, texten. Da wird in Frankfurt die Satirezeitschrift "Pardon" gegründet. Gernhardt und Bernstein ziehen nach Frankfurt und arbeiten mit. Gernhardt bleibt als Redakteur zwar nur knapp zwei Jahre, aber schreibt bis 1976 gemeinsam mit Bernstein und F.K. Waechter die Tageszeitungsparodie "Welt im Spiegel" für das Magazin. Bereits ab 1966 arbeitet er als freischaffender Künstler.
1979 gehört er zu den Begründern der Zeitschrift "Titanic" und betreibt "Humor-Kritik". Auch die "Neue Frankfurter Schule" wächst ab 1979 mit auf seinem Mist. Ihr gehören Gernhardt, Bernstein, Waechter, Traxler, Poth, Henscheid an; ohne sie - so ein Jahrzehnt später die Süddeutsche Zeitung 1989 - wäre "die Humorlage der Bundesrepublik wohl eine andere."
Lange wird Gernhardt als "Nonsens-Lyriker" abgetan. Erst Anfang der 80er Jahre gelingt ihm der Durchbruch zum "anerkannten Gegenwartsliteraten", wie er voller Selbstironie bekundet. Dass er im Literaturbetrieb angekommen ist, belegen letztlich auch die unzähligen Preise, mit denen er ausgezeichnet worden ist. Beispielsweise der Deutsche Kinderbuchpreis 1983, zuletzt mit dem "Binding-Kulturpreis 2003" - zusammen mit Eckhard Henscheid, Hans Traxler und F.K. Waechter, mit dem das Lebenswerk der vier Satiriker geehrt wird. 1991 hat er das Stadtschreiberamt von Bergen-Enkheim inne.
Gernhardt schreibt Hörfunk-Sketche wie Fernsehfilme und Theaterstücke. Otto Waalkes hat er mit Sketchen und Drehbüchern für dessen Kinofilme auf die Beine geholfen. Als Texter und Zeichner hat er Kinder-, Katzen- und Cartoonbücher gemacht.
2002 hat er den Gedichtband "Im Glück und anderswo" veröffentlicht, 2003 "Berliner Zehner. Hauptstadtgedichte". 2004 ist er mit dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik und dem Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet worden.
Mit zahlreichen Beiträgen und einer Sondersendung am Sonntag würdigt hr2, das Kulturradio des Hessischen Rundfunks (hr), den am Freitag in Frankfurt am Main verstorbenen Schriftsteller und Karikaturisten Robert Gernhardt.2002 hat er den Gedichtband "Im Glück und anderswo" veröffentlicht, 2003 "Berliner Zehner. Hauptstadtgedichte". 2004 ist er mit dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik und dem Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet worden.
Das „Kulturfrühstück“ am Sonntag, 2. Juli, 9.05 Uhr, wird um eineinhalb Stunden bis 11.30 Uhr verlängert. In der Sondersendung wird sich Moderator Manfred Schuchmann mit einem Gesprächsgast über Leben und Werk von Robert Gernhardt unterhalten. Im Anschluss daran stehen ältere und jüngere Gernhardt-Stücke aus dem Hörfunkarchiv auf dem Programm.
Die „Klassik-Matinee“ von 10.05 bis 11.30 Uhr entfällt. Bereits am Samstag, 1. Juli, widmet das hr2-Kulturmagazin „Mikado“ von 6.05 bis 10 Uhr dem bekannten Autor gleich mehrere Beiträge.
Robert Gernhardt war hr2 über mehr als drei Jahrzehnte hinweg eng verbunden. Gemeinsam gestaltet wurden Kabarett-Sendungen, Lesungen, CD-Aufnahmen – darunter die bekannte Weihnachtsgeschichte „Die Falle“ oder der „Tusch für Wilhelm Busch“ – sowie große Veranstaltungen im hr-Sendesaal, zuletzt zu seinem 65. Geburtstag.
Meine Erinnerung
sebastian (27. August 2008)