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Meine Erinnerungen

nadja 12. August 2009

Überflüssig

Nehmt mir den Stein von meinem Grabe;
für mich gibt's keinen Leichenstein!
Ich, der ich nun verklärt mich habe,
will doch für euch kein Toter sein!

Warum das Weinen und das Klagen,
wozu der Gram, das Herzeleid?
Was ihr von mir hinausgetragen,
war nur das abgelegte Kleid.

Ich bin im Geist bei euch geblieben,
für den es keine Trennung gibt,
und werde euch auch ferner lieben,
so, wie ich euch bisher geliebt.

Zwar könnt ihr mich jetzt nicht mehr sehen,
obgleich ihr mir noch sichtbar seid,
doch ist ja weiter nichts geschehen,
als: ich bekam ein andres Kleid.

Und dieses Kleid; ich soll es tragen
zu meinem Heil, zu meinem Glück.
Das alte - tröstend will ich's sagen -
ich wünsche es mir nicht zurück.

Doch, wenn ihr weint, dürft ihr nicht wähnen,
ich könne mich euch selig nahn;
es tut mir jede eurer Tränen
noch weher, als sie euch getan.

Lasst sie fortan nicht weiter fließen,
so lieb ihr es auch mit mir meint;
sie auf den Hügel auszugießen,
dazu sind sie doch nicht geweint.

Drum, nehmt den Stein von meinem Grabe,
da ihr nun wisst, ich lebe noch!
Wenn ich euch auch verlassen habe,
so bleibt euch meine Seele doch.

Karl May

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