Drafi Deutscher
- 60 Jahre alt
- Mann
- Geboren am 9. May 1946
- Gestorben am 9. June 2006
- Berlin, Germany
Über ...
Drafi...
Er ist in Berlin-Charlottenburg als Drafi Richard Franz Deutscher geboren und war ein deutscher Sänger, Komponist und Musikproduzent.
Er war insgesamt drei Mal verheiratet (u. a. zwischen 1989 und 1991 mit der Schlagersängerin Isabel Varell, für die er auch einige Titel komponierte). Mit seiner ersten Frau Karin war er von 1966 bis 1976 verheiratet. Dieser Verbindung entstammten die 1965 geborenen Zwillingssöhne Drafi jun. und René.
Zunächst war da die Klassik, doch der am 9. Mai 1946 in Berlin-Wedding geborene Drafi Deutscher hat nicht viel Gelegenheit, von der Kunst seines Vaters Drafi Kálmán zu lernen: Der gebürtige Ungar und angesehene Klassik-Pianist verlässt früh die Familie und reist zurück in seine osteuropäische Heimat. Der junge Drafi wächst in Berlin bei der alleinerziehenden Mutter auf.
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Früh bringt er sich Akkorde auf der Gitarre bei und hat mit 14 Jahren erste Bühnenauftritte mit der Band Die Zeitbomben. 1963 belegt Drafi bei einem Talentwettbewerb den vierten Platz und erhält einen Plattenvertrag. Drafi sucht und findet eine Begleitband, die sich aus jungen Jazz-Musikern rekrutiert – doch er warnt sie, dass ihm der Sinn nach der derzeit angesagten Beat-Musik steht.
Die Produzenten Günther Loose und Christian Bruhn nehmen den Sänger und seine Mitstreiter unter ihre Fittiche. Drafi Und Die Magics schlagen ein: "Shake Hands" und "Keep Smiling" entwickeln sich zu Riesenhits, der Künstler wird mit seinen deutschsprachigen Beat-Songs Dauergast in den Hitparaden. 1966 landet Drafi seinen wohl berühmtesten Hit: "Marmor, Stein und Eisen bricht". Eine in englisch eingesungene Version erobert gar das Ausland: "Marble Brakes And Iron Bends."
Drafi heiratet und wird Vater von zwei Töchtern. Im Jahr seines größten Erfolges folgt gleichzeitig der erste Karriereknick – ausgelöst und begleitet von Deutschlands größtem Boulevard-Blatt. Im Vergleich mit den Eskapaden anderer Rockgrößen jener Tage wirkt der Aufhänger heute geradezu lachhaft: Während einer Feier stellt sich der angetrunkene Drafi ans Fenster, öffnet die Hose und lässt seinem Druck auf der Blase freien Lauf. Sein Pech: Er wird dabei von einigen Schulkindern beobachtet, die Zeitung hat ihr gefundenes Fressen.
Der Sänger wird zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt – wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses." Das Finanzamt, das sich als lebenslanger Forderungs-Begleiter entwickeln wird, meldet sich zum ersten Mal und fordert eine Zahlung in Höhe von rund 200.000 DM. Durch seinen sorglosen Lebenskünstler-Stil hat sich Drafi keinerlei größere Rücklagen gebildet. Der Ruf ist ruiniert, Engagements und TV-Präsenz bleiben aus.
Um sich und seine Familie durchzubringen, arbeitet er als Stoff-Verkäufer auf Wochenmärkten und Diskjockey in verschiedenen Clubs. Ein tiefer Fall zeichnet sich ab, und Drafi beschließt, einen Schnitt zu machen. Er siedelt von Berlin nach München um. Damit endet auch die Zusammenarbeit mit den Magics. Drafi schreibt und komponiert fortan ausschließlich in Eigenregie, doch aufgrund seines Rufs hat er Probleme, als Künstler aufzutreten. Drafi wechselt vom deutschsprachigen Beat zu englisch eingespieltem Pop – und entwickelt sich rasch zum Mann der tausend Masken.
Fortan erscheinen immer wieder Projekte, die namentlich nicht auf Drafi hindeuten – er wählt Pseudonyme wie "Mr. Walkie Talkie" und "Baby Champ" und landet immer wieder Charts- und Discohits. Bis zu Beginn der achtziger Jahre erscheinen so über 60 Inkognito-Singles, bei denen Drafi etwa 40 unterschiedliche Pseudonyme verwendet. Gelegentliche, aber erheblich seltenere deutsch gesungene Singles unter eigenem Namen werden ebenfalls produziert.
Zunächst aber begründet Drafi im Sog der aus den USA überschwappenden Jesus-People-Welle von 1971-73 das Bandprojekt Wir. Es erscheint ein vielbeachtetes Album, das mit "David Und Goliath" und "Die Welt Von Heut'" zwei veritable Chartserfolge abwirft. Drafi scheint im Aufwind, doch ein erneuter skandalträchtiger Zwischenfall überschattet erneut die Karriere: 1972 wird er von Schlager-Guru Dieter Thomas Heck mit anderen Künstlern zu einer Reihe von Wahlkampf-Galas eingeladen.
Heck und die anderen unterstützen die CDU und ihren Kanzlerkandidaten Rainer Barzel auf den Polit-Veranstaltungen, was das eingetragene SPD-Mitglied zunächst anscheinend übersieht. Sein Favorit ist schließlich Willy Brandt. Am Ende der ersten Gala vor versammelter Christdemokraten-Basis beendet Drafi seinen Auftritt mit den Worten: "So, Leute, ihr wisst Bescheid – Willy wählen!" Natürlich wird er nicht auf die weiteren Galas geladen, und wieder rauscht es mächtig im Springer-Blätterwald.
Drafi siedelt nach Hamburg über und arbeitet weiterhin als Produzent. Es beginnt eine finanziell äußerst erfolgreiche Phase in der Zeit der Disco-Ära. Die Scheidung von seiner ersten Frau fällt ebenfalls in diese Zeit. Die Single "Be My Boogie Woogie Baby" unter dem Namen Mr. Walkie Talkie wird ein europäischer Top-Hit, und Drafi produziert Künstler wie Bino und dem Hit-Song "Mama Leone." Mit Tina Rainford gelingen ihm große Erfolge dank "Silver Bird" und "Fly Away Pretty Flamingo." Für Frank Farians Boney M. schreibt er den Top-Seller "Belfast."
Drafi heiratet seine zweite Frau, er ist inzwischen wieder mehrfacher Millionär. Er jettet unter anderem nach Brasilien, genießt das Dasein als Luftikus und Lebemann – und verschwendet weiterhin natürlich keinerlei Gedanken ans Finanzamt. 1978 hat er als Jack Goldberg einen erneuten Smash-Hit mit "Can I Reach You." 1979 reist Drafi in die USA, um seinen Horizont als Künstler und Produzent zu erweitern. Er wirkt unter anderem bei der Produktion des Bee Gees-Albums "Livin' Eyes" mit.
Zurück in Deutschland wartet das Finanzamt und fordert eine hohe Steuernachzahlung, die sich im sechsstelligen Bereich bewegt. Drafi hatte gut verdient in den abgelaufenen Jahren, aber auch gut ausgegeben – es ist kaum etwas zu holen. 1982 erscheint das Album "Drafi." Für den Film "Marmor, Stein und Eisen bricht", eine Hommage an Drafis Leben, komponiert er den Soundtrack und übernimmt eine kleine Nebenrolle. 1983 folgt seine zweite Scheidung.
Mit dem Projekt Masquerade meldet sich das Stehaufmännchen Deutscher eindrucksvoll zurück: Seine internationale Version des Songs "Guardian Angel" sprengt europaweit Verkaufsrekorde, und die deutsche Fassung "Jenseits von Eden" wird der bis heute größte Erfolg des Sängers Nino de Angelo. Mit Oliver Simon gründet Drafi das Duo Mixed Emotions und hat Erfolg mit der Single "You Want Love." Solo ist er unter anderem mit "Herz an Herz Gefühl" erfolgreich.
Bis Mitte der neunziger Jahre ist Drafi wieder nur mäßig erfolgreich. Er produziert für Heidi Brühl, Demis Roussous und die junge Sängerin Isabell Varell. Beide heiraten, doch der Ehe ist nur ein kurzes Glück beschieden, und Drafis dritte Scheidung lässt nicht lange auf sich warten. Ein uneheliches Kind taucht auf. Ärger mit dem Finanzamt bleibt ein ständiger Begleiter. 1991 belebt er - diesmal mit Andreas Martin als Partner - kurzzeitig die jetzt als New Mixed Emotions betitelte Arbeit im Duett.
Nach einer mehrjährigen Pause erscheint 1996 mit dem Album "So Viele Fragen" ein neues Lebenszeichen des Künstlers. Ihm folgt 1998 mit "Zukunft" ein weiteres Werk. Zunehmend leidet Drafi Deutscher an gesundheitlichen Problemen, hervorgerufen durch seinen ausschweifenden Lebenswandel, der in der Vergangenheit auch vor Drogen nicht halt machte. Zigaretten und Alkohol gehören von jeher zu Drafis treuen Begleitern. Ärzte stellen Diabetes fest.
1999 veröffentlicht Drafi zusammen mit Oliver Simon ein Remix-Album mit den Songs aus ihrer Mixed Emotion-Zusammenarbeit, doch der Erfolg bleibt überschaubar. Sein 2000 fertig produziertes Album "Wer War Schuld Daran?" erscheint zunächst nicht, weil Drafis eigene Plattenfirma Konkurs anmeldet. Geldstreitigkeiten mit seinem Manager folgen. 2002 veröffentlicht das Label QED den Longplayer.
Im Mai 2006 feiert Drafi Deutscher seinen 60. Geburtstag, die opulente Werkschau "Diesseits Von Eden" erscheint als Drei-CD-Box. Doch das neue Lebensjahr beginnt mit einer ernsten Krise: Am 21. Mai erleidet der Künstler einen körperlichen Zusammenbruch und muss in ein Krankenhaus verlegt werden. Ärzte stellen eine doppelseitige Lungenentzündung fest, begleitet von Herzproblemen sowie Leber- und Nierenversagen.
Eine Verschlechterung der Situation erfolgt Ende des Monats: Der Künstler wird in der Frankfurter Universitätsklinik in ein künstliches Koma versetzt. Sein aktueller Manager Gebhard Rothermich lässt Anfang Juni verlauten, dass Drafi weiterhin in einem kritischen Zustand sei, aber gut auf die gereichten Medikamente anspreche. Eine Herzoperation, die nach Angaben der Ärzte erfolgreich verläuft, lässt zunächst das Beste hoffen. Doch am Morgen des 9. Juni 2006 verstirbt der Sänger in der Frankfurter Klinik an akutem Herz-Kreislaufversagen. Deutscher sei "nach zweiwöchiger Krankheit um 8.30 Uhr friedlich von uns gegangen", so Manager Rothermich gegenüber der dpa. Als einer der ersten äußert sich auch der Vorsitzende des deutschen Drafi Deutscher-Fanclubs, Marcel Just: "Ich bin ganz fassungslos. Seine Musik hat mich seit Jahrzehnten begleitet."

Von Deinen Hanauer Lamboy-Kids
Hatrtmut Barth-Engelbart 19. Juni 2010
VORBEMERKUNG: ……… So wie jetzt die Bandbreite niedergemacht wird, so erging es Drafi Deutscher nach seinem Anti-Kriegslied “Welche Farbe hat die Erde”, da lief die Springerpresse Amok und schickte ihre Späher aus, um an der Heimatfront die Verteidigung der deutschen Freiheit in Vietnam gegen einen “Zigeuner” abzusichern (”Cinderella-Baby, komm und gib mir deine Hand!”, da hätten doch alle wissen müssen, dass der Drafi ein Zigeuner ist!!). Als Freddy Qinn mit seinem (nicht sonderlich tiefgängigen aber ungeheuer erfolgreichen) AntiKriegs-Song “100 Mann und ein Befehl und ein Krieg den keiner will ..,” die Heimatfront drohte zu erweichen, wurde er von der Springerpresse frontal angegriffen und zurückgepfiffen. Ähnliches widerfuhr Udo Jürgens, als er begann “Protestsongs” zu schreiben und zu singen- ebenfalls hauptsächlich von der Springerpresse, die dann in “Karikaturen” Udo-Fans mit Protestschildern gegen Udos Protestsongs aufmarschieren ließ. (Die Veranstaltung soll übrigens damals nicht im Frankfurter Club Voltaire stattgefunden haben)
Jetzt wird zusammen mit dem Freiherrn die deutsche Freiheit am Hindukusch und demnächst auch das menschenrecht im Iran u.a. gegen die Bandbreite verteidigt. Dieter Krogmann macht mich gerade noch darauf aufmerksam: Hallo Hartmut, ich möchte noch anmerken, daß Du NENA vergessen hast mit dem Song “99 Luftballons”. Dieser wurde während des Nah-Ost-Krieges dann in allen Medien auf die “rote Liste” gesetzt. Wie war das mit “Nie wieder Krieg?”…Viele Grüße Dieter Krogmann ……..und jetzt kommt der Nachruf
Lieber Drafi,
zwei Jahre zu spät habe ich das ins Bewusstsein geholt, was sich bei mir seit 1964/65/66 im Hinterkopf und Herz mit Deinem Namen verbindet: es sind Deine menschlichen Texte, Deine humanen Texte - deine trotzig tröstlichen Texte, Deine relativ schmalzarmen Liebeslieder, von denen ich eines der schönsten (”Weine nicht wenn der Regen fällt”) zusammen mit meinen Brennpunkt-Hanau- “Lamboy-Kids” umgetextet habe, ohne Dich zu fragen. Wir haben bei Konzerten immer grinsend ins Mikro gesagt, dass Du bei uns geklaut hättest, aber wir hätten nix dagegen. Dein Song wär ja auch fast genau so gut wie unsrer: “Wenn Du bei uns im Lamboy wohnst, damm-damm, damm-damm, ganz egal woher Du kommst. damm-damm-damm-damm, Marmorstein und Eisen bricht, aber unsre Freundschaft nicht, die Lamboy-Kids, die stehn Dir bei, Lamboy-Kids sind treu!” ((im Übrigen haben wir bei dem “Hey-Lamboy, Lamboy-Kids” -Rock immer eine ähnliche Ansage gemacht, (nur mit Bill Healy und seinem Mambo-Rock), ein Lied, das dann zur Hymne des Stadtviertels wurde neben Deinem/unsrem “Wenn Du bei uns im Lamboy wohnst..” ..
Erst heute schließt sich für mich der Kreis! Heute lese ich in dem nachfolgenden Nachruf, dass Du aus einer Roma-Musikerfamilie stammst (was für mich die Hetze der Springerpresse gegen Dich noch plausibler macht als der Gedanke an dein Lied gegen Krieg und Rassismus “Welche Farbe hat die Erde?”). In “meinem” KinderSchulChor, der Percussion-Formation und dem Gitarrenensemble “Lamboy-Kids” an der Hanauer Gebeschusschule waren viele Sinti- und Roma-Kinder, Bamberger, Winterstein, Adler, Reinhardt, Weiß ….
waren viele Roma-Kinder, die jetzt den herrschenden Fascho-Rassisten im Kosovo durch die hier herrschenden Rassisten ausgeliefert und abgeschoben werden.
Ich könnte einfach nur schreien, denn Du hättest die Lamboy-Kids retten können, wenn ich blöder Sack nur früher versucht hätte, mit Dir Kontakt aufzunehmen. So sind die “Lamboy-Kids” im gleichen Jahr “gestorben” wie Du. 2006.
Die Unterstützung durch die Menuhin-Stiftung und Prof. Dr. Karl Adamek von der Uni Münster, die ideelle Unterstützung durch Prof. Bastian (Frankfurt/Paderborn), all das hat nicht ausgereicht, an der Gebeschusschule dieses fast 15 Jahre erfolgreich laufende Projekt weiter zu führen. Aber Deine Unterstützung, Deine offizielle Patenschaft, die hätte es geschafft.
Ich hoffe auf die Bambergers, die Wintersteins, die Reinhardts, die Vier vom Häns’che Weiß Quartett. dass im Lamboy die Lamboy-Kids wieder entstehen. Ich will gerne dabei mithelfen- und ich bin mir sicher, Du bist auch mit dabei!!! PS. Halt mir oben einen Platz frei und grüß mir Wolfgang Stryi!! (Ihr habt euch sicher sofort gefunden, er hat da oben bereits auf dich gewartet.)
karin(march 15th 2009
karin evans 16. März 2009
Meine Erinnerungen
Meriam 8. November 2008
My Memory
Walter 27. August 2008